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Zu Haus am 1. Mai

Der 1. Mai ist der Tag der Gewerkschaften, der Tag der Demonstrationen und Kundgebungen, aber wie im letzten Jahr setzte auch in diesem Jahr die Corona Krise den Rahmen: Es gab keine  öffentlichen Aufmärsche in der Form und der Anzahl vergangener Jahre. Stattdessen war wieder Distanz angesagt, denn Solidarität heißt auch 2021 immer noch Abstand halten. Anstelle der alten Parole „Heraus zum 1. Mai“ konnte es wieder nur heißen „Zu Haus am 1.Mai !“.

Die Digitalveranstaltung des DGB zum 1. Mai gab es auf der eigenen Webseite, auf Facebook und auf YouTube

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) half uns auf digitalem Wege, die derzeit notwendigen Regeln des Miteinander einzuhalten und doch Gemeinschaft zu erleben. In einem Livestream wurde am 1. Mai eine zentrale Veranstaltung der Gewerkschaft über die Internetpräsenz des DGB, auf Facebook und auf YouTube übertragen. Das Motto der Online-Demonstration lautete: „Solidarität ist Zukunft“. Neben Reden, Interviews und Solidaritätsbotschaften bot das Kulturprogramm Künstler aus Musik und Slam-Poetry. Für alle, die die Live-Veranstaltung verpasst haben: Hier ist der Link zur Aufzeichnung.

Ursprünglich geht der Tag der Arbeit auf Ereignisse in den USA im Jahr 1886 zurück. Auf dem zweiten Internationalen Arbeiterkongress in Paris wurde beschlossen, sich Plänen des Amerikanischen Arbeiterbundes für eine weltweite Demonstration am 1. Mai 1890 anzuschließen. Damit wurde der 1. Mai zum zentralen Aktions- und Feiertag der Arbeiterinnen und Arbeiter weltweit. In Deutschland unterstützte dies die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP, später SPD) und am 1. Mai 1890 legten etwa 100 000 Menschen ihre Arbeit nieder. Der 1. Mai entwickelte sich danach zum Festtag der Arbeiterbewegung, wurde aber nur 1919 einmalig als gesetzlicher Feiertag begangen.

In der Weimarer Republik war die Arbeiterbewegung gespalten: Während die SPD den 1. Mai als Festtag begehen wollte, betonte die Kommunistische Partei (KPD) den Kampfcharakter des Tages. Als sie 1929 trotz eines Demonstrationsverbots Maidemonstrationen in Berlin organisierte, kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen mit über 30 Toten, Hunderten Verletzten und vielen Verhaftungen, zum sogenannten „Blutmai“. 1933 machten die Nationalsozialisten den 1. Mai zum Feiertag der nationalen Arbeit, besetzten aber am Tag darauf Gewerkschaftshäuser, Arbeiterbanken und Gewerkschaftsblätter. Viele leitende Funktionäre wurden in Konzentrationslagern und Gefängnissen inhaftiert. Die neugegründete Deutsche Arbeitsfront (DAF) sollte das nationalsozialistische Ideal der Volksgemeinschaft darstellen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der 1. Mai 1946 durch die Alliierten als Feiertag bestätigt. In der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR wurden am 1. Mai lange Zeit staatliche Militärparaden inszeniert; Bürgerinnen und Bürger waren verpflichtet, daran teilzunehmen. In der Bundesrepublik nutzten die Gewerkschaften den Tag für Massenkundgebungen mit wechselnden Schwerpunkten und Themen. Trotz oft lebensentscheidender Fragen sind die Maikundgebungen seit Jahren schon nicht mehr so attraktiv wie früher: Folgten 1960 in Berlin noch 750 000 Menschen dem Aufruf, so nahmen 2019 an der offiziellen Kundgebung des DGB vor dem Brandenburger Tor nur noch 13 000 Menschen teil.

Grafik: Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)